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Litauen


25.5. - 5.6.2000


Am 25.5.2000 gings endlich los. Zum 60.Geburtstag hatten wir meinem Vater diese Reise nach Litauen geschenkt. Wir waren schon sehr gespannt, was uns dort erwarten würde...
 
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Erste Station war Vilnius. Vydas hatte uns nettes Appartment verschafft und führte uns unermüdlich durch die kleinen Gassen der Altstadt. Von der Stadt war ich positiv überrascht: es existiert ein schöner alter Stadtkern, die alten Häuser sind grossteils schon renoviert. Rund um die Stadt gibt es sogenannte Schlafstädte, Hochhaussiedlungen, wo die viele Leute in Vilnius wohnen. Die Kathedrale ist eines der Wahrzeichen der Stadt (in Hintergrund sieht man noch den Gediminasturm). Während der Sowjetzeit räumten die Russen die Kathedrale aus, heute ist sie weiss ausgemalt, und es hängen Gemälde. Nur eine kleine Kapelle strahlt noch in ihrem ursprünglichen Glanz.

Natürlich waren wir auch nach Litauen gekommen, um mehr über unsere Familie und vor allem meinen Grossvater Alexander Medwedeff zu erfahren. So suchten wir in Vilnius das KGB-Archiv auf, welches im ehemaligen KGB-Gebäude auf dem Gedimino-Pospektas angesiedelt ist. Die Verständigung im Archiv gestaltete sich ein wenig schwierig, da die Angestellten weder Deutsch noch Englisch sprachen. Doch mit ein paar Brocken Deutsch, Englisch, Litauisch und Russisch und viel deuten konnten verständlich machen, was wir haben wollten. Und konnten schliesslich den Akt von Alexander Medwedeff studieren. Knapp 80 seiten, teils maschin-, teils handgeschriebene Dokumente. Registrierungen, Verhöre, Urteile, Rehabilitierung. Wir waren sehr betroffen, als wir endlich die Originaldokumente in den Händen hielten.
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Beim Parlament erinnert ein Monument immer noch an die Ereignisse des 13. Jänner 1991. An diesem Tag wurde der Vilniusser Fernsehturm von Russen besetzt, 14 Menschen werden getötet. Man wollte so die Unabhängigkeitsbestrebungen der Litauer unterbinden. Doch die Litauer organisieren einen unbewaffneten Protest gegen die Gewalt der Russen. Um das Parlament wurden Betonbarrikaden erbaut (wo heute noch die Reste zu sehen sind), Menschenmassen besetzten rund um die Uhr strategisch wichtige Gebäude und unterstrichen so die Gültigkeit ihrer Unabhängigkeitserklärung.

Auf dem Weg nach Kaunas besuchten wir Trakai, die ehemalige Hauptstadt des Grossfürstentums Litauen. Trakai liegt 27km westlich von Vilinus und ist wohl das beliebteste Ausflugsziel für Touristen, aber auch für Vilniusser. Die Wasserburg Trakai liegt auf einer kleinen Insel, die nur über eine weitere Insel erreicht werden kann. In den 50er Jahren wurde die Burg aufwendig rekonstruiert, vorher waren nur mehr Reste der alten Burg übrig. In der Burg selber befindet sich heute ein historisches Museum.
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Von Kaunas aus fuhren wir nach Süden, in die Gegend, wo meine Grosseltern bis zum Krieg gelebt haben und wo auch mein Vater (eben in Kalvarija) und mein Onkel (in Marijampole) geboren sind. Marijampole ist eine Kleinstadt die keine Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Wir besuchen hier den alten Friedhof und eine litauische Familie. Diese wohnt in dem ehemaligen Haus der Kudriavceffs. Aufgrund der mangelnden Kommunikation gestaltet sich dieser Besuch jedoch eher skurril...

Nach ein paar Tagen in Kaunas verlassen wir die Stadt Richtung Norden mit Ziel "Berg der Kreuze" nahe Siauliai. Hier stehen tausende von Kreuzen aus allerlei Materialien. Dieser Ort ist aber nicht nur ein Symbol des christlichen Glaubens in Litauen, sondern auch ein Ort des Widerstandes gegen das Sowjetregime. Litauer, die aus der sibirischen Verbannung zurückkamen, dankten Gott hier mit einem Kreuz oder Angehörige von Verschleppen beteten mit der Aufstellung eines Kreuzes für die Verschleppten. Die sowjetischen Besatzer vernichteten mehrmals mit schweren Bulldozern die Kreuze, doch die Gläubigen stellten immer neue Kreuze auf.
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Ramunas und Giedre hatte uns das Absurditätenmuseum der Familie Orvydas empfohlen (in der Nähe von Salantai). Von der Strasse sieht man nur eine Gruppe Bäume inmitten eines Feldes. Bei näherer Betrachtung ist es ein Sammelsurium von alten Grabsteinen, Kreuzen, Schnitzereien und sonstigen Überbleibsel aus der Sowjetzeit wie eben dieser Panzer, der am Eingang des Musuems steht.

Die letzte Station unserer Reise war die Kuhrische Nehrung,wo wir in Nida wohnten. Für mich war es auch ein Höhepunkt der Reise, die Schönheit und die Gewaltigkeit der Dünen bei Nida lassen sich nicht beschreiben - man muss sich das einfach selber ansehen. Die Dünen sind bis zu 60m hoch und reichen bis in die russische Enklave Kaliningrad hinüber. Heute sind viele Dünen mit Pinien bepflanzt, damit die Dünen nicht weiterwandern und die Dörfer verschütten.
Bei Nida besuchten wir auch die alte Fliegerschule von Gregor Heidrich-Radvenis.
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Natürlich mussten wir uns die Dünen auch von der Nähe ansehen. Die Parnidadüne darf man begehen. So verbrachten wir einen gemütlichen Nachmittag auf dieser Düne. Barfuss marschierten wir die Düne hinunter und suchten uns ein stilles Plätzchen in der Sonne. Dort genossen wir die Wärme und den einmaligen Ausblick.

Einen Ausflug machten wir auch nach Juodkrante zum Hexenwald. Hier stehen insgesamt 74 Holzskulpturen im Wald, welche verschiedene Figuren aus der Märchen- und Sagenwelt darstellen. Die Figuren sind überlebensgross und im Detail ungelaublich genau und originalgetreu gestaltet.
Leider kannten wir die Märchen dazu nicht, der Hexenwald war jedoch trotzdem äusserst sehenswert!
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Dies ist eines der wichtigsten Hinweisschilder auf der Kuhrischen Nehrung. In jedem Ort gibt es unzählig Anbieter von geräuchertem Fisch. Und der schmeckt einfach phantastisch! Wir kauften uns einen Aal, ein kleines Brot und zwei Flaschen Bier und setzten uns in die letzte Abendsonne ans Meer. Eine der köstlichsten Mahlzeiten, die ich in Litauen zu mir genommen habe!



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