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Uinkaret Plateau, Grand Canyon, Vulcans Throne, Saddle Horse Canyon, Lake Mead, Valley of Fire - Juli 1996

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Zur nächsten Wüstenstation: Grand Canyon

UT 12 W: Red Canyon, Richtung Westen
UT 89 S: Mount Carmel Jct., Kanab
UT 89A S: Fredonia (AZ)
AZ 389 W: Richtung Colorado City
AZ Uinkaret Plateau: Tuweep, Vulcans Throne

Die weitere Fahrt verläuft so weit ganz gemütlich, es ist trocken, aber wegen der vorhergehenden Regenfälle nicht zu heiß. Zuerst geht es durch den Red Canyon - weiteren schönen roten Schluchten (diesmal aber auf asphaltierter Straße) in ziemlich grüner Umgebung (viel Wald) hinunter ins Sevier River Valley, wo wieder die Steppe vorherrscht. 70 mi weiter südlich erreichen wir endlich wieder einen Ort mit Geschäft. Dort fallen zwei wichtige Entscheidungen: Erstens wird einmal groß eingekauft - für mindestens vier Tage und Wasser gefasst, was die Kanister und Flaschen die wir haben so schlucken. Das Gleiche gilt für den Tank des Autos.

Die zweite Entscheidung betrifft den Ort, an dem wir den Grand Canyon besuchen wollen. Es ist schon einige Zeit seit Mittag vergangen und der Bryce Canyon hat uns gelehrt, dass man keinen Campingplatz mehr bekommt, wenn man zu spät eintrifft. Bis zum klassischen North-Rim sind es noch 80 kurvige Meilen und außerdem handelt es sich wieder um eine Sackgasse. Naja und dann gibt es ja noch den Tipp des plauderfreudigen Autohändlers aus Michigan, der uns im Yellowstone NP begegnet ist. Er hat uns von einem tollen Campground erzählt, der über eine Piste, die zwischen Fredonia und St. George nach Süden abzweigt, zu erreichen ist. Na gut, es ist kurz nach 15 Uhr, wir haben eine 1:400 000 er Karte die sich als weit besser erweisen wird, als sie aussieht und etwa 60 mi Schotterstraße vor uns. Die Erinnerungen an die Zufahrt zum Bryce Canyon sind verflogen, man bedenke es war ja schon gestern...

Am Hwy 389 steht prinzipiell nichts angeschrieben, besonders nach Fredonia, wo wir durch die Kaibab Indian Reservation fahren. Das Gelände ist leicht gewellt, die Straße schnurgerade. Eine Orientierung ist nur mit Kompass und dem Deuten der Trockentäler mit der Wahnsinns-Karte möglich.

Die eingezeichneten Pisten zweigen auch tatsächlich von der Straße ab, das überrascht uns schon einmal eher positiv. Wir wählen die erstmögliche Route und freuen uns über den guten Zustand der Piste und das flotte weiterkommen, auch stimmt nach einigen Kurven noch immer die generelle Richtung. Nach nicht einmal 6 Meilen ist es jedoch schlagartig aus mit dem Optimismus. Die Straße führt wieder durch eine Furt. Die Regengüsse der letzten Tage haben ordentlich Schlamm herbeigeschafft, und das Wasser hat sich in der Mitte wieder durch den Sand eingeschnitten. Auch ein Geländewagen wäre hier hoffnungslos überfordert. Also bleibt nur umdrehen.

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Das Kennzeichen ist weiss auf rot und recht schlicht.
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Die Regengüsse der letzten Tage haben ordentlich Schlamm herbeigeschafft, und das Wasser hat sich in der Mitte wieder durch den Sand eingeschnitten. Auch ein Geländewagen wäre hier hoffnungslos überfordert und in dem nassen Sand wühlen wollten wir auch nicht.
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Die kuppenartigen Berge hinten stehen alle noch am Nordufer, das heisst, es ist noch ein weiter Weg bis zum Abbruch in den Canyon und dem NP Campground.
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Uinkaret Plateau

Laut der Beschreibung unserer Bekanntschaft aus dem Yellowstone Park war das die Route. Aber die Karte verrät noch andere Zufahrten. Also auf zur Nächsten. Diese endet auch sofort mit einem Fahrverbotsschild und dem Hinweis "No Trepassing, Indian Reservation". Es wird später und ein Umkehren zum North-Rim schon zeitlich undenkbar. Die dritte Zufahrtsmöglichkeit finden wir gar nicht, aber sie würde sowieso wieder durchs Reservat führen. Aus der vierten wird auch nichts, vielleicht haben wir sie auch nur verschlafen, weil die Sonne schon tief steht und wir nach Westen unterwegs sind.

Kurz vor Colorado City, wo wir spätestens aufgegeben hätten, gibt es wieder ein Abzeigung. Sie entspricht auch der letzten denkbaren Zufahrt zu unserem ersehnten Zielpunkt laut Karte. Es geht dahin, zuerst noch zwischen einzelnen Häusern nach Westen, dann aber über gigantische Weideflächen ausschließlich nach Süden. Die wenigen hölzernen Hinweisschilder weisen auf Namen hin, die uns nichts sagen oder eindeutig falsch sind (Bezeichnungen von Bergen, falsche Richtung etc.). Dieser Umstand wird uns auch später bei der einsamen Ranger-Station bestätigt werden. Natürlich gibt es mehr Pisten, als in der Karte vermerkt sind und es ist immer ein Spiel, wie lange bleiben wir auf der Route, oder wie lange darf sie von der generellen Süd-Richtung abweichen. Die Qualität der Piste ändert sich außerdem häufig und ist alles andere als ausschlaggebend für die Richtigkeit der Route.

Wir greifen zu kuriosen Orientierungsmethoden, da das mit dem Kompass nicht immer klappt, halten wir uns an die Sonne, die ja wie bereits erwähnt brav im Westen steht. Dubioser ist schon der Einsatz des Höhenmessers. Wir befinden uns auf einem schier endlosen Plateau und queren öfters die 5000 ft Höhenlinie. Den Höhenmesser haben wir irgendwann vor den Gewittern zuletzt eingestellt, doch er erweist sich als richtig. Noch überraschender ist der Umstand, dass diese Linie in der Karte so richtig vermerkt ist. So können wir zumindestens auf einige Meilen genau sagen, wo wir sind.

Auf der Strecke kommen wir einmal an Hügeln vorbei, die ganz und gar nicht ins Plateau-Bild passen. Nach genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass es sich um kleine Lava-Berge und -Plateaus handelt. Sie würden auch gute Orientierungspunkte darstellen, wären sie nur in der Karte eingezeichnet. So etwa auf halber Strecke stehen wir wieder bei einer Abzweigung und entschließen uns, der Piste mit den meisten Reifenspuren zu folgen. Als sich diese allerdings immer mehr nach Westen zu drehen beginnt, kehren wir um und nehmen doch die andere Richtung.

Einige Zeit später erreichen wir bei wunderschöner Abendstimmung ein sanftes Tal, mit einigen Gräsern und einem trockenen Flussbett, das allerdings auch die Straße kreuzt. Diesmal war die Überquerung aber machbar und kurz darauf erblicken wir erleichtert ein einsames Haus. Es ist aber nicht wirklich bewohnt. Später steht eine größere Hütte am Rande des Tales neben der Straße, mit zwei Autos davor und der Aufschrift "Tuweap Ranger Station". Hier finden wir auch einen mickrig kopierten Folder, wo alle Gefahren von Verirren bis Verdursten aufgelistet sind: No water, meals, gas, lodging or services are available! Wir bemühen uns dem Ranger kund zu tun, dass wir da sind, doch der begrüßt uns nur kurz um sich wieder seinen Beschäftigungen zu widmen. Er vermittelt uns jedenfalls den Eindruck "nur die Harten kommen durch".

Es sind noch 6 Meilen bis zum Canyon-Rand und dem Campground dort. Die meisten Campsites liegen etwas vorgelagert und dort scheint jemand zu sein, wir bekommen diese Leute aber nicht mehr zu sehen. Wir peilen den Overlook an, wo sich genau zwei Camp Sites befinden. Es geht bergab und die Straße wird für unser Auto immer bedenklicher. Sie ist zwar diesmal von fester Konsistenz, aber sehr felsig. Ganz langsam, den größten Unebenheiten ausweichend nähern wir uns dem Abgrund, der sich erst langsam vor uns auftut. Endlich am Ziel, sind wir ganz alleine da. Wir hüpfen aus dem Auto und als ersters geht es gleich zum letzten Felsblock hinaus. Es ist unglaublich, wie tief der Canyon ist! Wir schauen 3000 ft in die Tiefe, und weniger als 1 mi liegt der andere Rand gegenüber. Es ist dies der einzige Punkt, wo der Canyon so eng und so tief ist und wo man gleichzeitig das Wasser sieht. Am North- und am South-Rim erreicht er zwar bis 5200 ft, jedoch in Stufen, die es nie so eindrucksvoll machen und besonders ohne den absoluten Tiefpunkt, das Wasser zu sehen.

Nachdem wir gleich eine Zeit lang staunend am Abgrund gestanden sind, erkunden wir die Umgebung. Man kann noch so sehr am Ende der Welt sein, es ist ein offizieller Campground, also stehern hier zwei Bänke mit Tisch und ein Klo. Dieses wird sogar am nächsten Tag von einem Allrad-Tankwagen entleert. Wir machen uns an die Arbeit, im letzten Tageslicht das Zelt aufzustellen. Als das Zelt einmal steht, versuchen wir es zu verankern. Dabei kommt gerade ein leiser Windhauch auf, und versetzt das Zelt gleich einige Meter in Richtung Abgrund (und wir waren vielleicht 25 m daneben...). Beim Versuch schnell die Heringe in den Boden zu treiben scheitern wir vorerst einmal. Hier baut man auf reinem Fels unter der dünnen Sandschicht. Also wollen wir Steine zum beschweren auftreiben. Das wird echt schwierig, weil das beförderbare Format einfach nicht verfügbar ist (nur gigantische Trümmer, oder Körner). Also schüren wir das Zelt an, wo es halt geht, zum Teil an reichlich überformatigen Brocken. Froh uns durchgekämpft zu haben, schauen wir noch einmal zu unserem letzten Felsbrocken, der schon über dem Canyon zu schweben scheint, in die Tiefe und essen wieder einmal bei absoluter Dunkelheit. Herrlich ist die Ruhe hier - es ist absolut nichts zu hören. Im Canyon sind vereinzelt Lichter von campierenden Bootsfahrern zu sehen. Sonst sind die einzigen Lichter die Sterne und hier gibt es eine so unglaubliche Menge von Sternen zu sehen, dass man die normalen Sternzeichen fast nicht mehr erkennen kann - einfach traumhaft.

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Im Satellitenbild erkennt man diese Hügel gut als schwarze Flecken. Auf so eine Strasse geht es zügig dahin, leider gibt es immer wieder unbeschriebene Verzweigungen.
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Wed, July 17th

Grand Canyon bei Toroweap

Es soll dies der einzige Tag auf unserem ganzen Amerika-Trip werden, an dem wir das Auto nicht anwerfen. Das ist wahrscheinlich auch das Zeichen dafür, dass es für uns der eindrucksvollste Tag werden wird. Nicht so, dass er alles andere in den Schatten stellen würde, aber die schlichte Wanderung am Plateau-Rand hat es in sich. Der Canyon ist 446 km lang, bis 29 km breit und bis zu 1600 m tief. Der Colorado River unten ist ca. 90 m breit und hat im Abschnitt des Canyons ein Gefälle von 670 m, mit 160 Stromschnellen. Die größte davon ist von hier aus zu sehen. Jährlich kommen ca. 4 Millionen Besucher zum Canyon. Wir sind aber nur zu zweit hier und genießen es.

André steht sehr zeitig auf und macht Fotos in der Morgensonne. Christian folgt erst ein wenig später aus dem Zelt in die Sonne. Es ist ein herrlicher Tag. Zum Frühstück gibt es wieder mal alles, was das Herz begehrt, wir waren ja groß einkaufen. Wir sehen und hören zwar keine Menschenseele, dennoch bekommen wir frechen Besuch. Es schaut aus wie ein Squirrel, ist nur viel größer und will unbedingt etwas von unseren Spezialitäten haben. Dafür nimmt es gerne in Kauf, dass es dabei vor unseren verdatterten Augen über den Müsli-Teller am Tisch und von dort in das Einkaufssackerl auf der Bank hüpfen muss. Laut einer Abbildung in einem Prospekt könnte es sich um einen Utah-Hund handeln, obwohl wir in Arizona sind...

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Gegenlichtaufnahme in der frühen Morgensonne.
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Blick nach Westen.
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Blick nach Westen auf den Colorado River.
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Das ist kein Squirrel, das Tier ist gut einen halben Meter hoch und war äusserst frech. Von der Statur liegt es zwischen einem Eichhörnchen und einem Murmeltier.
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Dass wir den Tag hier verbringen werden, ist einmal klar. Nur was wir damit anfangen sollen ist noch nicht ganz so geklärt. Grundsätzlich wäre es möglich, zum Grund des Canyons abzusteigen, jedoch ohne genaue Angaben bzw. Karte über einen Lavastrom. Zu der Lava ist zu sagen, dass sie hier eine Zeit lang den Colorado River aufgestaut hat und sich aus diesem Grund auch heute noch die größten Stomschnellen (Lava Falls) hier befinden. An den anderen Stellen geht es steil bergab (Senkrecht mit einigen "flacheren" Steilstufen). Die Vision in der brütenden Mittagshitze über das schwarze Lavagestein wieder aufsteigen zu müssen begeistert uns beide nicht. Am Plateau nach Westen erstreckt sich das Lavafeld, bleibt also nur mehr noch der Osten übrig. Dort macht der Canyon außerdem eine Kurve und die Entfernungen scheinen eher abschätzbar zu sein. In diese Richtung setzen wir uns dann auch in Bewegung. Zuvor gehen wir aber noch ein Stück nach Westen zur Lava Falls Rapid view. Dort gibt es noch eine Fotosession mit halsbrecherischen Posen am Canyon-Rand.

Wir schauen auch per Gucker ein paar Paddlern zu, wie sie durch die gigantischen Stromschnellen durchwollen. Die meisten tragen ihre Boote ja außen herum. Einen hat es aber erwischt und er taucht mehrmals wieder oberhalb der ersten großen Welle auf. Wir denken ja nicht, dass es ihm Spaß gemacht hat, aber wer weiß?

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Im Satellitenbild erkennt man die Vulkane und den Lavafluss gut als schwarze Flecken. Die Lava hat hier eine Zeit lang den Colorado River aufgestaut diesem Grund sind auch heute noch die größten Stomschnellen (Lava Falls) im Colorado River hier zu finden.
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Das ist keine Luftaufnahme, man sieht hier tatächlich senkrecht 920 m in die Tiefe wobei der dei Schlucht hier an der Oberkante keine 1600 breit ist. Unten im Canyon ist der Colorado River im schnitt 90 m breit, bei der Engstelle im Bild etwas weniger.
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Über 900m geht es darunter senkret hinab. Hier kann man gut seine eigene Höhenangst austesten.
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Saddle Horse Canyon - Plateau-Wanderung

Als es wärmer wird, wandern wir eigentlich ganz einfach den Plateaurand entlang flußaufwärts und erfreuen uns so unterschiedlicher Dinge wie die grandiosen Einblicke in die Tiefe und Kleinigkeiten wie Käferspuren im Sand. Auch wird jede Pflanze genauestens untersucht und Verwitterungsformen gedeutet. Das Ganze ohne irgendeinen Stress, was auch alleine wegen der Hitze ganz gut war.

Der Rand ist natürlich ausgefranst, man kann also dort nicht immer gehen. Außerdem ist auch das verhältnismäßig gefährlich. Dort wo die Kante scharf ist, geht es locker 400 Meter bis zum ersten Vorsprung, an dem man liegen bleiben könnte. An anderen Stellen liegen etwa LKW- bis hausgroße Blöcke herum, die so ausschauen, als würden sie jederzeit hinunterpurzeln. Dass das nicht so schnell passiert haben wir beide einmal im Studium mitbekommen, aber in Anbetracht der Tiefe, um die sich das purzeln handeln würde, wollen wir uns auf keine Experimente einlassen, außerdem ist es einfach anstrengend immer am Rand zu bleiben.

Weiter hinten verläuft eine Piste (Tuckup-Road), die fällt aber auch nicht bewußt ins Auge. Sonst scheint alles unangetastet, keine Dose, kein auch noch so kleinen Papierl. Um so mehr fällt dann eine alte Viehtränke ins Auge. Trotz der paar Cattle Guards (Vieh-Gitter auf den Straßen) haben wir nie Vieh zu Gesicht bekommen. Hier am Canyon-Rand erscheint es noch bedenklicher. Um die Frage zu klären, wo denn hierzu überhaupt das Wasser hergekommen sein mag, folgen wir einem Rohr. Dieses führt nicht irgendwo hinauf sondern über den Rand hinunter in den trockenen Saddle Horse Canyon (Seitencanyon des Grand Canyon). Das Rohr führt aber auch nicht bis ganz hinunter. Nach ein paar Minuten erreichen wir eine kleine Oase mitten im Abbruch. Ein Teich, zur Hälfte im Felsen als Höhle und zur andern Hälfte auf einer kleinen Verebnung in der Wand. Hier wächst neben den Kakteen Schilf und Wein. Das Ganze liegt beschattet von einem darüberliegenden Felsvorsprung an einem Ost-Hang. Bedenklich ist nur eines: Es ist dies die einzige Wasserstelle, die wir weit und breit zu Gesicht bekommen haben (wenn man vom Colorado River 1000 Meter tiefer absieht), dennoch gibt es absolut keine Tierspuren hier, nicht einmal Insekten. Das Wasser ist nicht ganz so kalt, wie eine Quelle in den Alpen, aber alles andere als überhitzt. Es ist glasklar und scheint in Ordnung zu sein. Wir lassen uns auf nichts ein und kosten es besser nicht.

Da hier herunten eindeutig Sackgasse herrscht, kehren zurück hinauf auf das Plateau. In kleinen Felswannen treffen wir auf Wasser ganz anderer Art: umgekippt und kunterbunt je nach Algen- oder Bakterienstand. Nun können wir uns denken, warum das nur wenig weiter unten anzutreffende Wasser höchstwahrscheinlich ungenießbar ist: Es reichen sicher nur ein paar Tropfen dieser bedenklichen und durch die Tageshitze auch noch gekochten Eintöpfe, um die gesamte Quelle unten zu vergiften.

Wir spazieren weiter in Richtung eines größeren Seitencanyons. Nachmittags werden die Flüssigkeitsreserven schon knapper, und diese sollten schließlich auch noch für den Rückweg reichen. André nippt schon länger an der zweiten Flasche von den zwei Litern, außerdem ist er einfach müde. Daher legt er eine Pause ein. Wir machen uns einen Treffpunkt aus und Christian geht auf der Tuckup Road noch ein Stück weiter, bis der Einblick in die nächste Kurve des Canyons gegeben ist. Dort klettert er wieder hinaus bis zum Rand des Canyons und rastet bei den Tiefblicken von diesem Punkt aus. Mittlerweile ist es nämlich wirklich wieder ziemlich heiß geworden.

André erntet derweil noch einen Kaktus, den er nach Europa exportieren wird. Er besteht fast ausschließlich aus Stacheln. Er wird das österreichische Klima leider nur ein Jahr lang aushalten. Aber wegen seiner vielen Stacheln wird man ihm noch Jahre später den vertrockneten Zustand überhaupt nicht anmerken. Dann legt sich André auf ein Nickerchen unter einen Felsvorsprung, so dass ihn die Sonne nach einiger Zeit wieder aufweckt. Als er wieder munter wird, ist es schon kühler. Er hat keine Uhr dabei soll jetzt eigentlich hier auf Christian warten. Es juckt ihn aber weiterzuschauen, also ritzt er an einer von der Sonne schwarzgebrannten Felspartie die Höhe des Schattens ein, mit genauen Textausführungen.

Als es dann später und kühler wird, kehren wir beide um und Christian kommt zum Treffpunkt, wo allerdings schon längst kein Schatten mehr vorhanden ist, weil die Sonnenstrahlen schon mehr horizontal als von oben daherkommen. Trotzdem kann er sich mit Hilfe der Nachricht etwas reimen. Auch André ist verwundert, als er am Rückweg von der anderen Seite des Seitencanyons auf die Stelle seines Mittagsschläfchens zurückblickt. Er lag nicht nur unter einem Felsvorsprung, sondern selbst wieder auf anderen Felsvorsprung. Die Bananenschalen, die er über die Kante geworfen hat, müssen verdammt weit geflogen sein...

Wir treffen beide erst wieder beim Zelt zusammen. André macht noch unabsichtlich einen Umweg und kommt über den anderen Campground herunter zum Zelt. Er ist dann schon ganz schön geschlaucht. Naja, die Fußsohlen spüren wir beide immerhin ziemlich heftig. Christian sitzt in der Abendsonne und verfasst seine "letzten" Ansichtskarten. Nach dem Abendessen genießen wir noch die Einfärbung des Canyons durch die untergehende Sonne. Lange liegen wir noch auf dem aufgeheizten Stein und genießen die Tiefblicke, ja wir richten sogar einige Leute aus, die mit ihrem riesenhaften Boot an einem kleinen Schwemmkegel angelegt haben, dort Feuer machen und ihre Schlafplätze herrichten. Wir kommen uns vor, wie die Adler und beobachten sie ganz diskret per Gucker von oben...

Als es finster ist macht Christian noch ein Foto von dem herrlichen Sternenhimmel, dann schlafen wir zufrieden ein. Morgen geht's wieder in die Zivilisation, wahrscheinlich an den diesbezüglich verdorbensten Platz der Welt.

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Ein Teich, zur Hälfte im Felsen als Höhle und zur andern Hälfte auf einer kleinen Verebnung in der Wand. Hier wächst neben den Kakteen Schilf und Wein. Das Ganze liegt beschattet von einem darüberliegenden Felsvorsprung an einem Ost-Hang. Bedenklich ist nur eines: Es ist dies die einzige Wasserstelle, die wir weit und breit zu Gesicht bekommen haben (wenn man vom Colorado River 1000 Meter tiefer absieht), dennoch gibt es absolut keine Tiersp [...]
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Blick in den Seitencanyon, welcher über die Stufe hinten in den Grand Canyon mündet.
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Mangels Uhr teit André Christian mit wann er ging in dem er die Schattenstand markierte. Das ganze samt textlicher Ausführung...
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Blick in den Grand Canyon. Hier geht es knapp 1000m bergab.
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Blick über den Grand Canyon (unten links sieht man ein Stück des Colorado River) in einen Seitencayon des South Rim.
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Das Zelt steht keine 20m von er Kante entfernt, der Busch unter dem Baum steht direkt am Abbruch in den Canyon, die goldgelb beleuchtete Felswand auf der Höhe des Buschs ist bereits am South Rim, also am anderen Ufer. Der Toroweap Campgroud existiert nachwievor, aber die zwei Campsites direkt am Overlook wurden Ende der 1990er-Jahre gesperrt. Campen ist hier unter Umständen noch möglich, Zufahren nicht mehr.
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Thu, July 18th

Shivwits Plateau

Einen negativen Effekt hatte der gestrige Tag allerdings auch. Wir hatten zwar unsere heiklen Speisevorräte klug unter einem großen Felsen verstaut, wo unten ein Lüftchen durchzieht und der einzig große Baum in der Gegend seinen Schatten draufwirft. Trotzdem wurde es über Mittag anscheinend zu warm. Weder Milch noch Butter haben den Tag gut überstanden. Der frisch gekaufte, teure Swiss Cheese (Emmentaler) hätte es aber überleben können. Doch dieser war weg, samt Plastikverpackung - der ganze halbe Kilo! Obwohl die Kunstoffkiste mit Zusatzverschlüssen ausgerüstet ist. Ein Tier hat die Kiste geöffnet, und auch noch daran genagt, bis es Zugang hatte. Die verbliebenen Spuren und Haare lassen uns stark vermuten, dass es unser Utah-Hund war. Auch die Tatsache, dass das freche Tier nicht zum Frühstück erscheint, bekräftigt diese Theorie. Wenn es den gesamten Brocken alleine verdrückt hat, ist es sicher daran zugrunde gegangen. Jedenfalls gibt es heute ein Frühstück ohne Milch und die Jause ohne Käse. Trübe Aussichten. Naja, dafür ist das Wetter wieder einmal unglaublich schön.

AZ Shivwits Plateau: Mt. Trumbull, St. George (UT), Richtung Nord-Westen
UT 15 W:Richtung Süd-Westen (AZ), Glendale (NE)
NE 169 S: Lake Mead, Overton Beach

Wir haben sowieso ein gewaltiges Stück unbefestigter Straße vor uns, also entscheiden wir uns, eine andere Route als beim Herkommen zu fahren (sogar 90 mi lang unbefestigt!). Dabei kommen wir über das Shivwits Plateau. Es kann uns einfach gar nichts mehr erschüttern. Auch die Tatsache, dass es dabei über einen Berg geht schreckt uns nicht ab. Die Straße ist sogar in Ordnung, aber ausgesprochen holprig und staubig. Beim langsamen Fahren auf den Mt. Trumbull nimmt André wieder ein paar Ohren von einem netten Kaktus am Straßenrand mit. Doch diese Teile werden schon nach ein paar Stunden schwarz und am nächsten Tag werden sie ausgetrocknet sein. Es hätte sich dabei um einen Überlebenstrick handeln können, doch alle Wiederbelebungsversuche werden vergeblich bleiben. Oben am höchsten Punkt ist es ziemlich grün und viele Föhren erwecken fast den Eindruck eines Waldes.

Nach dem Eintrag "Mt. Trumbull" in der Karte, den man vor Ort nur an der 90-Grad-Kurve erkennen kann (der Berg steht meilenweit daneben) wird die Piste besser und im Main-Street-Valley (interessante Bezeichnung für den Arsch der Welt) ist sie wieder einheitlich geschottert. Wir kommen sogar bei einigen Gebäuden vorbei (so typische ältere Holzhäuser). Auch begegnen uns hie und da Autos. Als es von den Black Rock Mountains hinunter geht, ist die Strecke sogar ziemlich aussichtsreich über das Virgin River Valley. Kurz vor St. George gesellt sich auch wieder Asphalt zwischen Untergrund und Reifen. Das waren seit dem Morgen 90 Meilen Piste! St. George ist ein größerer Ort mit Ampeln, Verkehr usw. Schon ganz schön ungewohnt. Hier wird getankt und am Interstate 15 (4 spuriger Highway) wieder einmal ordentlich Gas gegeben.

Virgin Mountains

Ohne damit zu rechnen fahren wir durch die Virgin Mountains. Der Interstate Highway wird einfach durch die Schlucht des Virgin Rivers geführt. Der Fluss wird dabei von der Autobahn stellenweise vollständig abgedeckt. Das Verwirrende ist, dass es ziemlich schnell immer enger wird, die Felswände immer höher und steiler, die Autobahn aber mit konsequenter Breite durchgezogen wird. Kaum hat man sich damit abgefunden, dass es sich ausgeht, ist das Spektakel auch wieder vorbei und die Straße führt durch eine weite Ebene auf der verstreut Joshua-Trees stehen und der wild zerfurchte dunkelfelsige Virgin Peak herunterschaut.

Durch die Schlucht haben wir unbewusst auch erstmals seit langer Zeit die Hochplateaus verlassen und befinden uns jetzt unter 2000 ft Höhe! Hier wirken selbst die Sage Bushes und sonstige Gewächse schon verdorrt. In der Ebene lassen wir auch den Grenzbereich zwischen Arizona und Utah den wir sehr oft überquert haben hinter uns und erreichen Nevada. Da in diesem Land ja Glücksspiele aller Art legal erlaubt sind, befindet sich an der Stateborder sofort ein größeres Casino in Mesquite. Außerdem sind die Werbeplakate neben dem Highway noch viel umfangreicher geworden. Mit der Grenze zu Nevada erreichen wir auch wieder die Pacific Time Zone. Der Tag ist also unerwartet eine Stunde länger. Außerdem kommt man ja auf einem Interstate ungewohnt schnell voran. Wir machen noch einen Abstecher zum Lake Mead, der nächsten Aufstauung des Colorado River. Dieser dient aber nur einem Zweck: Las Vegas mit Strom und Vergnügen zu versorgen.

Lake Mead

Der See Mead liegt gar nur noch 1870 ft hoch. Wir wissen, dass es hier herunten nur heiß sein kann und wollen uns daher schon darauf vorbereiten. Wir öffnen zwischendurch das Fenster und drosseln die Klimaanlage. Als wir dann beim Overton Beach tatsächlich aussteigen, trifft uns trotzdem beinahe der Schlag: Es hat ca. 108° F (42° C) im Schatten und es weht ein lebhafter heißer Wind. Es ist ein Gefühl, als würde man sich an einem extra heißen Tag in der Sonne mit einem gigantischen Fön anblasen. Das Auto haben wir unter einer Pappel untergebracht, letztendlich müssen wir in das Gefährt noch einmal einsteigen, ohne dabei Brandblasen zu bekommen.

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Die scharzen Hügel in der Bildmitte sind reste von Vulkankegeln.
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Das Kennzeichen zeigt einen Teufel mit Mistgabel, ein recht untypisches Symbol für die aber- oder was auch immer - gläubigen Amis...
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Hinter den Zahlen und Nummern wird eine Berglandschaft mit Steinbock gezeigt, wie sie nur in den wenigsten Ecken Nevadas anzutreffen sein wird. Nevada ist mehrheitlich ein heisser und flacher Wüstenstaat. Der Slogan "The silver state" passt schon besser, wegen dem gleisenden Licht.
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Nun ist das Areal nicht mehr so frei und es stehen neue Häuser direkt im Wasser. Das Wasser hat übr 30°C im Sommer.
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Das Wasser wirkt extrem dunkelblau und lockt, im Vergleich zu der rötlich wüsten Umgebung. Bei dem Strand sind ein paar Palmen gepflanzt, sonst wächst nur ein trockenes Gestrüpp. Am Weg zum See, den wir zwecks Baden aufsuchen wollen, wird uns so heiß, dass uns das Wasser kurz richtig angenehm, sogar kühl vorkommt. Naja, nach ein paar Schwimmstößen wird uns klar, dass das Wasser in diesem relativ seichten Seitenarm sicher 86° F (30° C) hat und eher kurz vorm umkippen ist. Ein bisschen Plantschen war ja ganz gut, aber dann doch wenig erfrischend.

Nachher quält uns das Bedürfnis, die Haare zu waschen, schließlich kommen wir bald in eine Stadt, müssen ein Hotel mieten etc. Duschen gibt es hier natürlich - allerdings wieder um teures Geld, in einem Gebäude, das wie eine Segelschule aussieht. Die Haare trocken im Wind am Weg von dort zum Auto (ca. 50 m). Sehr zum Widerwillen Christians, der die Lockenbildung gerne über den Trockenvorgang persönlich und händisch steuert, aber zu diesem Zeitpunkt wäre für uns beide ein Frisör langsam eine Investition wert... aber wir sind ja hier auf Urlaub, oder was

NE 169 N, NE State Park Drive: Valley of Fire

Valley of Fire SP

Wir sind noch immer viel zu früh dran für Las Vegas. Also fahren wir noch durch einen State Park, der fast auf der Strecke liegt. Das Visitor Center hat zwar schon zu. Trotzdem zahlen wir die 2$ pro Nase Eintritt brav in das Postkastl ein und stecken uns das Permit an die Scheibe. Wieder einmal fragen wir uns, wie die das wohl kontrollieren wollen, aber ausprobieren wollen wir es nicht. Also fahren wir in den Valley of Fire Statepark, ohne zu wissen was uns erwarte

Es geht durch sehr wüste Gegend, wobei besondere Felsenformationen (was sonst) in den Farben rot, gelb und weiß besonders schön geformt sind. In diesem Fall handelt es sich um windgeschliffenen Sandstein. Härtere Formationen werden herausgearbeitet. Bei dem tieferen Sonnenstand ist es nicht mehr ganz so heiß, außerdem sind die Farben und Formationen immerhin so beeindruckend, dass wir noch eine kleine Stichstraße zum White Dome hineinfahren. Die schön asphaltierte Straße führt dabei öfters über "Dips", also betonierte Flussdurchfahrten. In diesem Statepark finden wir aber auch noch eine andere Besonderheit. Mitten zwischen den Felsen steht eine Zapfsäule. Weit und breit sonst nichts, keine Menschenseele. Wir fahren hin, probieren es aus und tatsächlich... es ist Wasser vom Feinsten. Inmitten dieser Wüsten Gegend gibt es hier Wasser ohne Chlor, mit trinkbarer Temperatur zu zapfen. Wir nützen die Gelegenheit und füllen alles an, was an Behältern zur Verfügung stehen.

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Es geht durch sehr wüste Gegend, wobei besondere Felsenformationen in den Farben rot, gelb und weiß besonders schön geformt sind. In diesem Fall handelt es sich um windgeschliffenen Sandstein. Härtere Formationen werden herausgearbeitet. Bei dem tieferen Sonnenstand ist es nicht mehr ganz so heiß, außerdem sind die Farben und Formationen immerhin so beeindruckend, dass wir noch eine kleine Stichstraße zum White Dome hineinfahren.
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